| |
Österreich entwickelt sich, wie auch die anderen westlichen Industriestaaten, zunehmend zu einem Einwanderungsland. In Österreich betrug der Anteil von Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung 2006 rund 10 Prozent. In der Altersgruppe von 0 bis 15 Jahren waren es 2006 rund 1,6 Prozent.
Die Kinder
und Jugendlichen aus zugewanderten Familien kommen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen. Das
bedeutet für das alltägliche Miteinander – ob in Schulen, Sportvereinen oder in anderen Einrichtungen –, dass
unterschiedliche Alltagserfahrungen, religiöse und weltanschauliche Orientierungen, Sprachkompetenzen
und soziale Einbindungen aufeinandertreffen.
Öfter kann es da bei Trainern oder Lehrkräften zu Irritationen kommen, zum Beispiel wenn die Kinder untereinander
in ihrer Muttersprache reden. „Mich ärgerte es am Anfang, wenn die türkischen Kinder untereinander
immer Türkisch redeten. Bis mir eines von ihnen sagte, dass sie die Anweisungen nicht immer verstehen
und sich dann gegenseitig beim Übersetzen helfen würden“, berichtet ein Kinderfußballtrainer.
Die Schwierigkeit
im Umgang mit kulturellen Differenzen kommt auch bei einer Lehrerin zum Ausdruck, die sagt: „Ich
möchte aber auch nicht, dass diese Kinder durch gesonderte Behandlung als etwas Besonderes hervorgehoben
und dadurch vielleicht erst recht ausgegrenzt werden.“ Das Patentrezept, positiv mit „Fremdheit“ und
„Fremden“ umzugehen, gibt es nicht.
Unterschiedliche, auf die konkreten Gegebenheiten abgestimmte
Lösungsansätze müssen gefunden werden. Zum Beispiel können Jugendliche mit Migrationshintergrund als
Sporthelfer/innen ausgebildet werden. Das bringt Anerkennung und hat Vorbildcharakter für andere.
Auch im Vereinssport sind neue und flexible Herangehensweisen gefragt. Eine Leichtathletiktrainerin geht beispielsweise
mit der Leistungseinbuße ihrer muslimischen Sportlerin während der Zeit des Ramadans, der Fastenzeit,
so um, dass sie das Lauftraining von dem Mädchen mit dem Fahrrad begleiten lässt: „Ich weiß, dass
Leyla in dieser Zeit nicht die sonstige Leistung erbringen kann. Aber warum soll sie deswegen gleich vom Training
ausgeschlossen werden? Ich übergebe Leyla beim Dauerlauf meine Rolle als Trainerin. Sie gibt uns Zwischenzeiten
durch und bestimmt die Laufroute so, dass sie uns mit dem Fahrrad begleiten kann.“
Erfolgreiche
Integrationsarbeit bedeutet eben auch, neue Wege zu gehen und Kompromisse zu finden, die dabei helfen,
dass „Fremdheit“ und Andersartigkeit nicht als Belastung wahrgenommen werden. So können alle Beteiligten
neue Lernerfahrungen gewinnen und gegenseitig voneinander profitieren.

weiter
|